Prof. Dr. Helene von Bibra (TU München), Dr. Daniel Plecity (Kreisklinik Ebersberg), Dr. Jörg Schmid (KLUG), Jutta Löbert Dipl.-Ökotrophologin), Dr. Marc Block (Health-for-future, Ebersberg)
Ernährungssymposion in Ebersberg
Volles Haus im Klinikum Ebersberg: Am 14. November 2025 kamen unter dem Titel „Ernährung im Focus – Strategien für ein gesundes Morgen“ Ärztinnen und Bürgerinnen zusammen, um über die Verbindung zwischen Ernährung, Gesundheit und planetaren Grenzen zu diskutieren. Die Veranstaltung, organisiert vom Ärztlichen Kreisverband, der Gesundheitsregion Plus und Health for Future Ebersberg, machte deutlich: Eine Transformation unseres Ernährungssystems ist nicht nur dringend notwendig, sondern auch möglich.
Prof. Helene von Bibra (TU München) öffnete mit einem kritischen Update zu den DGE-Empfehlungen und betonte die zentrale Rolle der Prävention. Besonders eindringlich: Die aktuellen Empfehlungen richten sich an gesunde, normalgewichtige Menschen, obwohl in Deutschland bereits jedes siebte Kind Übergewicht hat.
Die bekannte Ökotrophologin Jutta Löbert berichtete, wie körperlichen Veränderungen ab der Lebensmitte und im fortschreitenden Alter eine Anpassungen der Ernährungsgewohnheiten erforderlich machen, um Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten.
Dr. Daniel Plecity, Ernährungsmediziner am Klinikum Ebersberg, beleuchtete die oft übersehene Problematik der Mangelernährung bei schwerkranken Patientinnen und zeigte, wie systematisches Ernährungsmanagement Therapieerfolge verbessern kann.
Überraschende Perspektiven: Vom Fußabdruck zum Handabdruck.
Dr. Jörg Schmid lieferte mit seinem Vortrag zur Planetary Health Diet zentrale Impulse für konkrete Veränderungen. Seine überraschendste Erkenntnis: Das Konzept des ökologischen „Fußabdrucks“ lenkt die Verantwortung einseitig auf individuelle Konsumentinnen. Dr. Schmid plädierte stattdessen für den „Handabdruck“: Strukturelle Veränderungen durch kollektives politisches Engagement. Nicht nur weniger Fleisch essen, sondern sich für mehr vegetarische Gerichte in der Kantine einsetzen. Nicht nur Rad fahren, sondern den Radentscheid unterstützen.
Die Zahlen, die Dr. Schmid präsentierte, sind beeindruckend: Allein durch Ernährungsumstellung ließen sich in Deutschland jährlich 177.000 Todesfälle vermeiden und die Emissionen relevant senken. Einen praktikable Weg dorthin bietet die Planetary Health Diet, ein wissenschaftlich fundierter Speiseplan mit mehr Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen bei reduziertem Fleischkonsum. Weltweit ließen sich so ca. 5 Billionen Euro pro Jahr sparen, bei Kosten von 200-500 Milliarden Euro.
Ernährung ist keine Privatsache
Dr. Schmid hob hervor, dass Ernährungsverantwortung nicht allein beim Individuum liegt. Unsere Ernährung wirkt direkt auf Krankheitskosten, soziale und ökologische Systeme. Dabei werden Verfügbarkeit, Attraktivität, Bezahlbarkeit und Informationsangebot maßgeblich von Unternehmen und Politik gestaltet. Auch hier muss Aktivismus ansetzen.
Die zentrale Botschaft der Veranstaltung: Transformation „by design or by disaster“. Wir können die Veränderung aktiv gestalten oder sie wird uns aufgezwungen werden. Die Planetary Health Diet zeigt, dass gesunde Ernährung für Mensch und Planet keine Einschränkung bedeutet, sondern eine Einladung ist, Neues zu entdecken.
